Chef der Armee inspiziert Ausstellung
Bei der feierlichen Eröffnung der Sonderausstellung zur «WEA» zeigte sich das Museum im Zeughaus weitsichtig und informativ.
VON CHRISTOPH MERKI

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Zwei Männer vom Fach: der ehemalige Divisionär und Kommandant der Territorial-Division 4, Hans Gall (r.),
diskutierte mit Hansruedi Fehrlin, dem letzten Schaffhauser Korpskommandanten.

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Begeistert von Motoren und allem, was sich bewegt, hatte Rayan Bättig (l.) auf dem Zeughausareal grosse Freude.
Gerne hätte er ein Modell eines alten Artilleriegeschützes im Garten – eine Herausforderung für Klaus Bättig.

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· Überzeugt von der Wichtigkeit einer solchen Ausstellung und begeistert von der aktuellen Umsetzung ist
Brigadier Martin Vögeli (r.), hier beim kameradschaftlichen Austausch zusammen mit Reto Caprez.

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Die fachkundigen Erläuterungen von Martin Huber (l.) und dem Projektleiter der neuen Sonderausstellung, Ernst Willi (Mitte),
haben dem Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann, beim Rundgang imponiert.
Bilder Selwyn Hoffmann

Beim Rundgang in einem Museum erwartet der Besucher normalerweise Einblicke in vergangene Zeiten. Das Museum im Zeughaus jedoch hat in seinen Ausstellungsräumen auch einen Blick in die Zukunft gewagt. Die bis anhin sehr erfolgreiche Ausstellung über die Mobilmachung mit gut 8000 Besuchern, davon rund 800 Offiziersaspiranten, wurde teilweise umgestaltet und mit einer Sonderausstellung zur Weiterentwicklung der Armee (WEA) ergänzt. Damit ergibt sich für die Besucher die Möglichkeit, sich mit der «Armee von morgen» im Kontext der Geschichte der Mobilisierungen der Schweizer Armee seit 1792 auseinanderzusetzen. Ebenfalls neu ist der Schluss der Ausstellung «Mobilmachung». Hierbei wird das Fazit aus den 130 Mobilisierungen der Schweizer Armee seit 1792 interessant und anschaulich präsentiert.
An der feierlichen Eröffnung konnte der Stiftungsratspräsident Martin Huber nebst Vertretern der Stadt und des Kantons auch Nationalrat Thomas Hurter und den Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann, begrüssen. «Die Sicherheit ist vor allem für uns Schaffhauser sehr wichtig», betonte Hurter. Mit der WEA sei der beste politische Kompromiss gefunden worden, meinte er: «Mehr liegt nicht drin.» Nebst der wieder eingeführten Mobilmachung und der erhöhten Bereitschaft seien die Ausrüstung wie auch die Regionalisierung, die Aus- bildung und die Finanzen wichtige Eckpunkte bei der Konzeptionierung der WEA gewesen. «Die Armee soll sich mehr zeigen und wieder präsent sein», erhofft sich Hurter von der Umsetzung der WEA. Trotz der Reduzierung des Bestandes der Soldaten will Hurter nicht von einem Abbau sprechen: «Aber wir haben das untere Limit erreicht.»
Hurter und Blattmann dabei
Mit Kritik am aktuellen Armeesystem hielt sich der Projektleiter der Sonderausstellung, Ernst Willi, nicht zurück. «Die Armee war nur begrenzt fähig, den verfassungsmässigen Auftrag zu erfüllen», meinte er bei seinen Ausführungen zur neuen Ausstellung. Diese beinhalte so nicht nur Erläuterungen zur Umsetzung der WEA, das Museumsteam habe ebenso die Anforderungen, welche sich aus der aktuellen Bedrohungslage ergeben, illustriert und dargestellt. Diesbezüglich fehlen ebenso die möglichen Leistungen nach der Umsetzung der WEA sowie die nötigen Veränderungen der Armee in den Bereichen der Bereitschaft, der Kaderausbildung, der Ausrüstung und der regionalen Verankerung in der umfangreichen Ausstellung nicht. Mögliche Szenarien wie der Einsatz an der Grenze oder die Hilfe der Armee bei Katastrophen wurden so mit viel Liebe zum Detail in den Ausstellungsräumen dargestellt. Eindrücklich auch der kurze Film, welcher die Konsequenzen eines grossflächigen Stromausfalles, eines sogenannten «Blackouts», in der Schweiz illustriert. Bei allen Szenarien werden die Ausgangslage sowie auch die militärische Unterstützung geschildert und sogar mit lebensechten Puppen nachgestellt. Trotz dem momentanen Fokus auf moderne Bedrohungsszenarien wird auch der Verteidigung grosse Wichtigkeit beigemessen. Die Armee als Sicherheitsreserve des Bundes sei so ein wichtiger Pfeiler der Schweiz als unabhängiger und neutraler Staat. Die Einführung von Martin Huber: «Wir sind nicht nur Sammler, sondern könnnen auch informieren», hat sich für die zahlreichen Gäste auf dem Rundgang bewahrheitet. Auch die hohen Gäste aus Politik und Armee zeigten sich beeindruckt.
Ansprache Blattmann Auf die Schweizer Soldaten ist Verlass
schaffhausenSchon das zweite Mal innert Jahresfrist beehrte der Chef der Armee, Korpskommandant André Balttmann, das Museum im Zeughaus. «Man kann dem Milizteam nicht genug danken, was die hier im Museum ermöglichen», stieg Blattmann lobend in seine Ansprache ein. Dabei hob er vor allem die Aktualität der neuen Ausstellung über die Weiterentwicklung der Armee (WEA) hervor. Er unterstrich dabei, dass die WEA keine Reform darstelle, sondern mit den Änderungen nur festgestellte Mängel im aktuellen System behoben würden. Positiv im Gesamtpaket sieht Blattmann auch den Kreditrahmen von 20 Milliarden Franken für die nächsten vier Jahre. Dies erlaube eine grössere Planungssicherheit, da nicht verwendetes Geld auch im kommenden Jahr investiert werden könne.
«Wir sind keine WK-Armee»
«Kriege werden heute hybrid geführt», erklärte der Chef der Armee. Dazu würden terroristische Elemente wie aber auch Angriffe im Cyberraum gehören, mit dem Ziel der Destabilisierung der Gesellschaft. «Darum muss die Armee bereit sein, rasch eingreifen zu können», führte er weiter aus und spielte dabei unter anderem mögliche grossflächige Stromunterbrüche an. Viele spezialisierte Verbände, wieder mehr den Landesregionen zugeordnet, seien mit der neuen Mobilmachungsstrategie über das ganze Land verteilt. Dass sich die momentane Sicherheitslage in Europa verändert habe, sei augenscheinlich. Daher habe die Armee auch reagiert und die Wiederholungskurse von acht Bataillonen jetzt schon verschoben. «Bei weniger als zehn Prozent der Soldaten ergab die Verschiebung Probleme», ist Blattmann stolz, «man merkt, auf unsere Soldaten ist Verlass.» Sollten diese WK-Einheiten jedoch nicht ausreichen: «Dann machen wir mobil, wir sind keine WK-Armee.» Nicht zuletzt dank dieser hohen Bereitschaft sollte in Zukunft mehr darauf geachtet werden, den Soldaten, die Dienst leisten, zu danken und sich nicht nur auf diejenigen zu konzentrieren, welche nicht dienen, setzte Blattmann ein Ausrufezeichen an den Schluss seiner Rede.(chm)
Schaffhauser Nachrichten vom 9. Mai 2016