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03. Juli 2017

Mitten in das Geschehen vor 100 Jahren

Die Sonderausstellung im Museum im Zeughaus zeigt eine bemerkenswerte, wenn auch eher unbekannte humanitäre Leistung. Sie erreicht damit fast schon so etwas wie Kultstatus.

VON WOLFGANG SCHREIBER

· Durch Briefmarken sind Hans und Odette Hochuli aus Kölliken auf die Ereignisse im Ersten Weltkrieg in Schaffhausen aufmerksam geworden. Sie finden es hervorragend, wie die Ausstellung die Begebenheiten aufarbeitet.

· Sehr authentisch seien die Szenen in der Ausstellung, fanden Lotti Hilpert (l.) aus Diessenhofen und Claudia Alvarez aus Lohn. Die beiden haben durch die Zeitung von den ausserordentlichen ­Begebenheiten im Ersten Weltkrieg erfahren.

Die Puppen in der Ausstellung sehen ganz schön echt aus, die Dame im grauen Mantel, Monika Stahel, hat sie installiert. Bilder Michael Kessler

Peter Neukomm Stadtpräsident

Bliebe die Sonderausstellung des Museums im Zeughaus, «Heimschaffung von Internierten 1914–1917», eine permanente Ausstellung, so würde sie wahrscheinlich einen ähnlichen Kultstatus bekommen wie das Kesslerloch-Diorama im Museum zu Allerheiligen. Jeder will es sehen, jedem bleibt es in Erinnerung. Die am Samstagvormittag feierlich mit Reden und musikalischen Darbietungen der Musikgesellschaft Schleitheim eröffnete Ausstellung wartet gleich mit mehreren, mit vier «Dioramen», genauer mit szenischen Darstellungen, auf. Sie versetzen die Besucher mitten in das Geschehen vor 100 Jahren und lassen sie teilhaben an der «fast vergessenen humanitären Grosstat» der Vorfahren (SN vom Mittwoch, 28. Juni 2017).

Unglaubliche Leistung

Es ist, wie Martin Huber, Präsident der Stiftung Museum im Zeughaus, in seinen Begrüssungsworten sagte, «eine kleine Ausstellung auf wenig Platz». Doch die Ausstellung ist gross oder grossartig zu nennen. Dem Ausstellungsteam um Christian Birchmeier, Ernst Willi, Walter Baumann, Monika Stahel und Erwin Gloor, Peter Moser und Walter Kobelt, Richard Sommer und Frank Schneider, den Mitgliedern des Dienstag-Clubs und den Vereinsmitgliedern ist es gelungen, mit Material aus dem Stadtarchiv informativ und anschaulich zu zeigen, welche Leistung die Vorfahren während des Ersten Weltkrieges erbracht haben. Sie haben zwischen 1915 und 1917 rund 300 000 Personen Hilfe geleistet.

Man war voller Mitgefühl

Dabei war die Lage damals, in den Kriegstagen, in Schaffhausen selbst äusserst prekär. Christian Birchmeier erwähnte in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung, dass sich die ­Situation in Schaffhausen dramatisch ver­schlech­tert hatte. Die Leute, denen die Schaffhauser dennoch halfen, waren Franzosen, Internierte in deutschen Gefangenenlagern und Evakuierte aus den französischen Kampfgebieten. Stadtarchivar Peter Scheck erläuterte in seinem Eröffnungsreferat, warum diese Leute in deutschen Lagern interniert worden waren. Er wies auf die bedeutende Rolle des Bundesrates bei der Repatriierung hin. Frauen, Kinder, alte Männer kamen mit dem Zug aus Deutschland in Schaffhausen an und erhielten hier erste medizinische Hilfe, bevor sie via Genf nach Frankreich weiterreisen konnten. Man gab den Ausgehungerten zu essen, den Zerlumpten neue Kleidung. Man war freundlich und voller Mitgefühl mit den Eingeschüchterten und verpflegte sie.

Was im Einzelnen geschehen ist, das vermittelt die Ausstellung auf Schrifttafeln, mit Dokumenten und Briefen. Und sie zeigt, wie die Franzosen diese Grosstat der Vorfahren mit Dankesschreiben und Medaillen honorierten.

Kriegsflüchtlinge Schaffhauser haben nahtlos an die Hilfsbereitschaft im Ersten Weltkrieg angeknüpft

Am Franzosendenkmal in der äusseren Fäsenstaub-Promenade, geschaffen vom Pariser Künstler Paul Landowski, von dem auch die gigantische Christus-Statue in Rio stammt, haben sich am Samstagvormittag gut 50 Leute eingefunden, die von Martin Huber, Präsident der Stiftung Museum im Zeughaus, begrüsst wurden.

Das Denkmal und die am Samstag eröffnete Sonderausstellung im Museum im Zeughaus erinnern an die Not vieler französischer Internierter und Evakuierter während des Ersten Weltkriegs und an die aufopferungsvollen Taten der Schaffhauser Bevölkerung in Stadt und Land, um diese Not zu lindern. Die Figurengruppe aus Stein ist unter der Obhut von Denkmalpflegerin Flurina Pescatore von Steinrestaurator Tobias Hotz restauriert worden.

Stadtpräsident Peter Neukomm erinnerte an die 150 Freiwilligen, die die durchreisenden Franzosen unermüdlich verpflegten, bekleideten und ärztlich versorgen liessen. Er erwähnte die Dankbarkeit der Franzosen, auch die Frankreichs, das 1919 der Stadt Schaffhausen eine Dankesmedaille «Erster Klasse» verliehen hat. Auch in unserer Zeit, so Neukomm, als 2015 180 vorwiegend syrische Kriegsflüchtlinge in Zivilschutzanlagen in der Stadt und in Wilchingen platziert wurden, hätten die Schaffhauser im Kleinen nahtlos an die Hilfsbereitschaft im Ersten Weltkrieg angeknüpft.(W. S.)

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