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 7. Museumstag vom 7. September 2019
Eröffnung der Sonderausstellung «Widerstand – Résistance»

Glück muss man haben! So ist es nicht so übel gekommen, wie die Wetterfrösche es vorausgesagt hatten. Die Redner und die vielen Gäste der Eröffnungsfeier (rund 350 an der Zahl) konnten, auch ohne zu frieren, sich am Gebotenen freuen. Und die Stadtmusik Harmonie unter der Leitung von Philipp Coradi konnte unter freiem Himmel, halb an der Sonne, das Publikum bestens unterhalten.

Ein gut gelaunter Martin Huber moderierte den Anlass und begrüsste die Ehrengäste: den Präsidenten des Kantonsrates, Andreas Frei, Regierungsrat Christian Amsler, den Präsidenten des Grossen Stadtrates, Hermann Schlatter, Stadtrat Daniel Preisig, den Kommandanten  der Territorialdivision 4, Divisionär Willy Brülisauer,  und nicht zuletzt die zahlreichen Mitglieder der P-26. Dr. Titus Meier, der mit seiner Aufsehen erregenden Dissertation die Fakten für die neue Ausstellung liefern konnte, war leider verhindert.

Des weitern stellte er die Referenten vor, nämlich drei Zeitzeugen:

  • Vreni Spoerry, während 20 Jahren Mitglied des eidg. Parlamentes und auch Mitglied der vierköpfigen Parlamentariergruppe 426, die sich um die P-26 zu kümmern hatte;
  • KKdt Dr. Arthur Liener, von 1993 – 1999 Generalstabschef, der 1990 den Auftrag erhielt, das Material und die Dokumente der liquidierten P-26 sicherzustellen;
  • Walter Baumann, der selbst Mitglied der P-26 war und die neue Ausstellung massgebend mitgestaltet hat.

 

Die P-26 aus der Sicht einer betroffenen Politikerin

Vreni Spoerry schilderte, wie sie Mitglied der Parlamentariergruppe 426 geworden war. Der hochgeachtete Urner Ständerat, Franz Muheim, hatte sie angefragt und für dieses Amt gewinnen können. Nach dem 2. Weltkrieg stand für die Schweizerische Landesverteidigung die Dissuasion im Vordergrund, also der Wille, mittels militärischer und ziviler Vorbereitungen einen allfälligen Gegner von einem Angriff auf unser Land abzuhalten. Im Konzept der Gesamtverteidigung von 1966 ist auch von einer Widerstandsorganisation die Rede, die in einem allfällig besetzten Gebiet der Schweiz zum Einsatz kommen sollte. Damit ist auch klar, dass es sich bei der P-26 um eine völlig legale Einrichtung handelte, die der strategischen Vernunft entsprach. Sie war in Friedenszeiten dem Generalstabschef (GSC), im Krieg aber dem Bundesrat unterstellt.

Die Rednerin ging dann auf die Aufgaben ein, welche die Parlamentariergruppe 426 hatte, insbesondere die Beratung des GSC in politischen Fragen. Bemerkenswert ist, dass sie den operativen Chef der P-26, Oberst i Gst Effrem Cattelan, nicht kannte. So gut funktionierte die unbedingt notwendige Geheimhaltung.

Als sie zum Thema des sog. P-26-Skandals kam, wurde ihre Empörung über das Geschehene für jeden Zuhörer spürbar. Die Leser werden sich vielleicht an die von Ständerat Carlo Schmid geführte «PUK EMD» erinnern, die zusammen mit den Medien der sog. «Geheimarmee» schwere Vorwürfe machte. Alle Versuche der damals Verantwortlichen (BR Kaspar Villiger und GSC Heinz Häsler), die falschen Vorstellungen zu korrigieren, nützten nichts. 1991 wurde die P-26 aufgelöst.

 

Die P-26 aus militärischer Sicht

Dr. Arthur Liener beurteilte die P-26 aus militärischer Sicht. Er hatte im November 1990 vom damaligen GSC Häsler den Auftrag erhalten, die Einrichtungen und Ausrüstungen der P-26 zu versiegeln und später das Material zurückzunehmen. Erst dadurch habe er diese Organisation kennen gelernt. In verschiedenen Reglementen zur «Truppenführung» war u. a. für die Armee auch vom Jagdkampf und vom Kleinkrieg die Rede. Das Ziel solcher Verfahren war immer, im feindbesetzten Gebiet Widerstand zu leisten, d . h. unter anderem beim Gegner Unsicherheit zu erzeugen und seinen Aufwand für die Besetzung zu erhöhen. Ein gleiches Ziel hatte auch die P-26. Ihre Aufgabe als zivile Organisation war aber, in einer 1. Phase im besetzten Gebiet Nachrichten über die militärische, politische, wirtschaftliche und psychologische Lage zu beschaffen. In einer späteren Phase sollte sie Sabotage-Aktionen ausführen und evtl. noch später und erst auf Anordnung der politischen Führung zum gewaltsamen, d. h. militärischen Widerstand übergehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die P-26 eine reine Kaderorganisation war. Ihre Mitglieder hatten Vorbereitungen zu treffen für den späteren Aufbau, die Ausbildung und die Ausrüstung der «Truppe». Diese Leute hatten keine speziellen Waffen oder Sprengmittel zu Hause. Von einer «Geheimarmee» kann also keine Rede sein!

Liener beurteilt alle diese Vorbereitungen als notwendig und richtig. Effrem Cattelan habe eine generalstäbliche Arbeit von höchster Qualität geleistet; es gebühre ihm grösster Dank.

 

Die P-26 aus der Sicht eines Mitgliedes

Walter Baumann, «unser P-26-Mitglied», beleuchtete seinen persönlichen Werdegang. Ein Mitglied der Kantonalen Offiziersgesellschaft sei an ihn herangetreten und habe ihn gefragt, ob er sich zur Verfügung stellen würde. Sein vorbehaltloses Ja sei durch die jüngere Schweizergeschichte und seine eigene durch den Kalten Krieg geprägte Biographie motiviert. Ein Jahr später habe er sich im sog. Schweizerhof  bei Gstaad, einer unterirdischen Anlage, zum 1. Kurs eingefunden. Dieses Einrücken sei wie ein klassisches konspiratives Treffen abgelaufen. Die Aufträge seien über die Gegensprechanlage erfolgt, die Begrüssung durch den GSC über einen Bildschirm. Selbst der Gang zum WC sei zu tarnen gewesen. Von der ganzen Organisation habe er nur drei Personen gekannt. Es stellt sich natürlich die Frage, wie man von der Familie und vom Arbeitsplatz tagelang abwesend sein konnte, ohne dass dies auffiel und unangenehme Fragen provozierte. Für ihn als Stabsoffizier im Schaffhauser Mobilmachungsstab sei das nicht schwierig gewesen. Dort habe er ja oft für wenige Tage einrücken müssen.

In seinem letzten Kurs teilte ihm sein Chef, genannt Rico, mit: «Wir sind aufgeflogen, es ist vorbei!» Was dann in den Medien abgegangen sei, habe bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. In eine Ecke mit Terroristen und Verbrechern gestellt zu werden sei wirklich hart. Immerhin seien die P-Sechsundzwanziger Jahre später von Bund und Kanton rehabilitiert worden.

Zum Schluss bedankte sich Martin Huber bei den drei Referenten und den Ausstellungsmachern, namentlich bei Ernst Willi und Walter Baumann, der sich ja um unser Museum ohnehin in verschiedenen Funktionen sehr verdient gemacht hat. In seinen Dank schliesst er ein:

  • die Sponsoren, die uns dieses Jahr verwöhnt haben,
  • die Stadtmusik Harmonie,
  • die Zentralstelle für das Historische Armeematerial ZSHAM,
  • den Nachrichtendienst des Bundes NDB,
  • Dr. Titus Meier,
  • die Besucher, die doch Mitglied des Vereins Museum im Zeughaus werden sollen, sofern sie es nicht bereits sind.

 

Er weist überdies auf die Sonderausstellung des Museums im Alten Zeughaus Solothurn hin: «P-26 - Geheime Widerstandsvorbereitungen im Kalten Krieg» (30. August 2019 bis 13. April 2020).

Hansueli Gräser   

 

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